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Ein Gedenken an den Pony- und Disco-Pfarrer

DSC_0663 Pfarrer Gschwendtner bei einer Trauung.

Steinberg am See. Vor 100 Jahren erblickte Michael Gschwendtner das Licht der Welt. Sein Wirken als Geistlicher, Bau- und Discopfarrer als auch als Fremdenverkehrsverein- und Ponyhof-Gründer nahm der Heimatkundliche Arbeitskreis zum Anlass, sein Leben bei einem Gedenkabend Revue passieren zu lassen.

Mit der Ponykutsche wurden Besucher durch den Ort gefahren.

Nicht nur das Straßenschild vor dem Museum, dem ehemaligen Pfarrhaus, erinnert an Pfarrer Gschwendtner, der Steinberg über drei Jahrzehnte hinweg geprägt hat und damit untrennbar mit der Geschichte des Ortes verbunden ist. Der Heimatkundliche Arbeitskreis (HAK) veranstaltete anlässlich seines Geburtstags vor 100 Jahren einen Gedenkabend im Pfarrheim. Museumsleiter Christian Scharf konnte neben den zahlreichen Besuchern auch Bürgermeister Harald Bemmerl und Pater Stephan begrüßen. Nach einer kurzen Einführung hielt HAK-Vorsitzender Jakob Scharf einen Vortrag mit Bilderschau, der sich sehr zeitaufwendig gestaltete, wie er betonte, denn Michael Gschwendtner hinterließ in seinem kirchlich wie weltlichen Leben zahlreiche Spuren.


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Toni Zizler, Altbürgermeister Jakob Scharf und Hilde Ernst (v.l.) erzählten Anekdoten aus dem Leben des Pfarrers.

Geboren am 3. Dezember 1919 nahe Waldmünchen, aufgewachsen in einer großen Bauernfamilie, ging er nach dem Besuch des Gymnasiums 1931 seiner Berufung zum Priestertum entgegen. Nach dem Reichsarbeitsdienst zog er 1939 in den Krieg und kam erst 1948 aus russischer Gefangenschaft wieder frei. „Als anderer Mensch begann er 1950 in Regensburg Theologie zu studieren und wurde von Bischof Buchberger am 19. März 1953 zum Priester geweiht", erzählte Scharf. Nach zweijähriger Tätigkeit als Kaplan in Wackersdorf wurde ab März 1955 das Kuratbenefizium Steinberg mit Michael Gschwendtner besetzt. Zu seinen Lieblingsaktivitäten zählte das Bauen. 1956 begannen die Arbeiten für den Pfarrhof. Ende der 50er Jahre rief er eine Theatergruppe ins Leben, die weithin bekannt werden sollte. 1963 wurde Steinberg Pfarrei und Benefiziat Gschwendtner damit Pfarrer.


Großen Anklang fand die Vernissage am Museumssonntag.

1978 verdeutlichte der Seelsorger in einem Pfarrbrief zu seinem 25-jährigen Priesterjubiläum, dass nur die Gegenwart und die Zukunft zähle. „Damit wären wir gleich bei einem markanten Wesenszug, denn er hatte für das Alte nicht viel übrig. Damit erklärt sich auch der Abriss des Kirchenanbaues von 1921", betonte der Referent. Immer nach vorne schauen verbessern und erneuern war die Devise von Pfarrer Gschwendtner. „Er wollte ein Seelsorger sein, der sich nicht auf den Kirchenraum beschränkte", schrieb Gschwendtner einmal. Als in den 1960er Jahren Steinberg einen Aufschwung erlebte, hatte Michael Gschwendtner entscheidenden Anteil daran. Ein Ortsverschönerungsverein wurde unter seinem Vorsitz gegründet und schon 1965 wurde Steinberg zum schönsten Dorf gekürt.

Lea Scharf erzählte eine Geschichte über die Rasselbande.

Er war auch Motor und Gründer des DJK-Sportvereins und engagierte sich in vielen Vereinen. Im Mai 1969 wurde das erste Pony, der Max, gekauft und der sich stetig entwickelnde Ponyhof wurde zum Markenzeichen von Steinberg. 1971 ereignete sich die berühmt-berüchtigte Bierglasaffäre, die Jakob Scharf nicht verschweigen wollte. Im gleichen Jahr erfolgte die Grundsteinlegung für die neue Kirche, die am 22. Juli 1972 eingeweiht wurde. „Der Abriss des Kirchenanbaus von 1921 war die einzige Todsünde in Steinberg, die sich der Ortspfarrer leistete", konstatierte der Chronist. Bei seinem 25-jährigen Steinberg-Jubiläum konnte der Geistliche 1980 auf 2600 Gottesdienste, 574 Taufen, 228 Trauungen und 226 Beerdigungen verweisen. Der spätere Ehrenbürger hatte auch immer jede Menge Witze auf Lager, wobei besonders die Geschichten von der Rasselbande bei Kindern sehr beliebt waren.


Pfarrer Gschwendtner (links) war Motor und Gründer des DJK-Sportvereins.
Nach einer schweren Erkrankung verstarb Pfarrer Gschwendtner am 30. Juni 1985. In seinem letzten Pfarrbrief schrieb er, dass er ein ordentlicher Bürger von Steinberg sein wollte. „Heute kann man sagen: Ja er war es. Er war ein herausragender Bürger, dem Steinberg viel zu verdanken hat", betonte Jakob Scharf abschließend. Zeitzeugen, wie Hilde Ernst, Anton Zizler und Jakob Scharf erzählten einige Anekdoten aus dem Leben von Pfarrer Gschwendtner. Zwei Rasselbandgeschichten gab zudem Lea Scharf zum Besten. Dem „Macher seiner Zeit" ist auch eine Sonderausstellung im Museum gewidmet, die bis 31. Oktober jeden Sonntag zugänglich ist. Erinnerungen wurden wieder wach als am Sonntag nach dem Gottesdienst Pater Stephan die Original-Kutsche zum Museum lenkte, wo die Vernissage stattfand.
Museumsleiter Christian Scharf überreicht dem Ortsgeistlichen eine Sonderausgabe des Gmoabladl’s, das anlässlich des Todes von Pfarrer Gschwendtner aufgelegt wurde.
Meisterehrung - stolz auf das Erreichte
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