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Frisch gezapft und selbst gewogen: Plastikfrei und Spaß dabei beim Weltfairbesserer

8BB7599B-8BCD-441C-BED8-A038127D9934 Robert Adunka an den Schütten mit Bio-Produkten wie Müsli, Nudeln und vielem mehr.

Sulzbach-Rosenberg. „Weltfairbesserer" – das klingt nach Idealismus und Kreativität. Beides leben Robert und Doris Adunka aus in ihrem herrlichen Laden voller appetitlicher und schöner Dinge, die möglichst „unverpackt, regional, bio und fair" sind. Was ziemlich modern und trendig klingt, ist in den schmucken 90 Quadratmetern an der Neutorgasse 12, mitten in der malerischen Altstadt, aber auch ein wunderschöner Ausflug in die Nostalgie früherer Zeiten, wo es im Tante-Emma-Laden alles zu kaufen gab – alles, außer Plastik. Dafür mit ein bisschen Kaffeehaus-Charme.

Eigentlich unterrichtet Robert Adunka Ingenieure in der „Theorie des erfinderischen Problemlösens". Als er vor zwei Jahren in Nürnberg Siemens-Beschäftigte darin weiterbildete, wie sie mehr Ideen in kürzerer Zeit entwickeln können, führte ihn während der Mittagspause sein Weg zum ZeroHero. „Das muss doch in SuRo auch gehen", dachte sich der 49-jährige Unternehmer und Vater von fünf Kindern.

Und so pachtete er vor einem Jahr von den Kreiners den gemütlichen, gar nicht so kleinen Laden, und begann ihn umzubauen. Moderne Toiletten und eine Küche sorgen für zeitgemäßes Flair und ein Höchstmaß an Hygiene – für Adunka unerlässlich im Umgang mit Lebensmitteln, nicht erst seit Corona.


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„Omas Bester" heißt der Kaffee, den die Betreiber an ihre Kunden, ebenso wie den „Glückstee", kostenlos ausschenken. An den heimeligen alten Holztischen mit gehäkelten Deckchen können die Einkäufer plauschen, relaxen, und, wenn sie wollen, ein Mandeleck vom Hutzelhof dazu genießen. „Der Laden hat sich zu einem kleinen Begegnungsort entwickelt", freut sich Doris Adunka. Am Montag, Mittwoch und Freitag sorgt der Bio-Bauernhof, der auch frisches Gemüse und eingekochte feine Sachen wie vegane Bolognese liefert, für kerniges Brot und verführerische Backwaren im Laden. An den Dienstagen, Donnerstagen und Samstagen ist dieser Part dem Übler-Bäck vorbehalten.

Insgesamt sorgen sechs Angestellte und das Ehepaar Adunka dafür, dass die Sulzbach-Rosenberger, aber auch viele Leute aus dem Landkreis und der Nachbarstadt Amberg hier entspannt wertvolle Lebensmittel und mehr einkaufen können. Seinen Hauptberuf hat Robert Adunka dafür seit Mitte 2019 auf Eis gelegt. Mittlerweile beginnt das kleine Geschäft auch, sich zu tragen.

Ein großes Plus: Wer beim „Weltfairbesserer" einkauft, hat währenddessen und hinterher nicht nur ein gutes Gefühl, er bekommt – abgesehen von Tiefkühl-Ware und exotischen Früchten – auch alles, was ein normaler Haushalt zum Leben braucht. Konzessionen beim Thema „regional" macht Adunka bei Zitronen – die sind bio und kommen aus Italien – sowie naturgemäß beim Kaffee, wobei der Kunde die Möglichkeit hat, mit dem Segelkaffee-Bohnen zu kaufen. Die werden ohne Spritzmittel angebaut, fair geerntet und ohne CO2-Belastung auf dem Segelschiff nach Europa gebracht.


Der große Clou am Laden: Das allermeiste kommt ganz ohne Verpackung aus. Nudeln, Müsli, Zucker, Chia und vieles, vieles mehr dürfen die Kunden in mitgebrachte Gefäße abwiegen (Geheimtipp: gewürzte Cashew-Nüsse). Wer kein Gefäß hat, kann eines kaufen, oder sich aus dem Sortiment „von Kunden für Kunden"Einmachgläser und dergleichen nehmen. Für spezielle Fälle gibt es auch Papiertüten.

Da steht dann das Gummibärchen-Glas, aus dem man sich bedienen kann. Wie in der alten Zeit kommt später die Verkäuferin hinter der kleinen Kühltheke, aus der einem der Bio-Käse und die prächtigen Pfefferbeißer entgegen strahlen, hervor und schöpft das Sauerkraut für den Kunden aus dem Fass in – naja, vielleicht doch ein bisschen modern – mitgebrachte Tupperware.

Essig und Öle aus Ballonen, Putzmittel aus Kanistern, Zahnputzseife und –tabletten: Wer Verpackungsmüll vermeiden möchte, stößt bei den „Weltfairbesserern" auf teilweise ungeahnte Möglichkeiten. „Wir passen die Produktpalette auch ständig den Kundenwünschen an", sagt der Laden-Inhaber.

Die Adunkas kommen zuhause mit ihrer Kinderschar nicht ganz ohne Plastik und Verpackung aus. Den Löwenanteil am persönlichen Verbrauch schultern sie aber über das eigene Geschäft. In etwa dasselbe erzählen die Kunden, die aus Schütten Linsen abfüllen, sich beim Käse bedienen lassen oder ihre Essigflaschen auffüllen.

Auffällig ist: Die Altersstruktur ist völlig gemischt. Von sehr jung bis hin zu schon sehr lange jung geblieben ist alles dabei. Frauen scheinen leicht in der Mehrzahl zu sein. Außer bei denjenigen, die auf Bestellungen ihre Lieblingssorte Lammsbräu-Bier aus ökologischem Anbau in Neumarkt zum Weltfairbesserer liefern lassen. Das sind dann – Klischee erfüllt – eher die Männer.

Die Lebensmittel sind natürlich etwas hochpreisiger als die Ware aus dem Discounter. Die Soli-Kasse sorgt aber dafür, dass auch weniger wohlhabende Menschen gut bei den Adunkas einkaufen können. Wer für seinen Kaffee einen Obolus geben oder einfach spenden möchte, ist hier richtig. Robert Adunka hängt im Gegenzug Soli-Geld im Eingangsbereich an einer Wäscheleine auf, von der sich Leute mit knapperem Budget bedienen können. Bis zu 50 % des Einkaufswertes dürfen sie anschließend mit Soli-Geld bezahlen.

Und damit im Laden alles weiter prima läuft, schaut Fairdinand dort nach dem Rechten. Der Plüschhase wurde einmal von einer sehr jungen Kundin vergessen und seitdem nicht mehr abgeholt. Dafür ist er inzwischen der Social-Media-Star und heimliche Chef des Ladens. Die Facebook-Gemeinde hat dem Langohr seinen Namen verpasst, inzwischen ist Plüschmaus Jennifair dazu gekommen. Logisch, dass der smarte Fairdinand jedoch am liebsten ein Auge auf die frischen Karotten im Gemüsestand hat…

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