REWE-Widerstand_1 alle Bilder: © Ingrid Schieder

Bruck. Der Widerstand gegen die Ansiedlung eines Rewe-Marktes in Bruck, genauer gesagt, in Mögendorf, ist enorm. Dies spiegelt sich zum einen in der Informationsveranstaltung der Brucker Grünen wider, zum anderen in der Sammlung von Unterschriften gegen das Projekt, für das es bereits eine Mehrheit im Marktrat gibt.


„Volles Haus", die Thematik um die Ansiedlung des sogenannten Vollsortimenters erregte die Gemüter der Brucker, Interesse zeigte auch die Nachbarkommune Bodenwöhr, unter anderem war auch deren Bürgerliste vertreten, die sich ebenso informierte. Rudolf Sommer, neben Manfred Pfauntsch, „grüner Marktrat", betonten beide, dass man einen weiteren Supermarkt nicht braucht, um die Versorgung zu decken. Mit Norma, Netto, sowie den Bäckereien, Metzgereien und Getränkehandel sei man bereits genügend versorgt. Sommer sagte, dass in der letzten Marktratssitzung mit 8 zu 6 für die Ansiedlung von REWE gestimmt worden sei, wobei nicht alle Räte anwesend waren. Inzwischen rudere auch die Bürgermeisterin zurück. Die Bauleitplanung zu dem Projekt sei ein längerer Weg, der noch die Möglichkeit zur Gestaltung biete.

Seit 2003 gebe es die Norma außerhalb der Mitte von Bruck. Als Grüne habe man auch damals schon dagegen opponiert, mit der Begründung, dass dies der Tod des „Innenlebens" von Bruck sei, was sich auch bewahrheitet habe. Der Netto sei dazugekommen, der sich inzwischen erneuert habe. Rein von der Fläche her sei die Ansiedlung von Rewe nicht geeignet, so Sommer, der zugleich fragte: „Wo sind die Grenzen des Wachstums?" Insgesamt handle es sich um 9.000 m² versiegelte Fläche, 1.200 m² umfasse der Markt, 500 m² der Getränkemarkt sowie 1.000 m" die Nebenflächen, wie Lager, Sozialräume, Büro.

Begründet werde das Vorhaben mit der Schaffung von Einkaufsmöglichkeiten – und Gewerbesteuer-Einnahmen. Sommer sagte dazu, dass der Bau etwa drei Millionen koste. Dazu kämen die Kosten für 25 Arbeitnehmer. „Das muss erst mal erwirtschaftet werden." Dann gebe es noch einen Freibetrag auf die Gewerbesteuer – und „wann fließt dann die Gewerbesteuer?" Geltend machte Sommer auch die städtebauliche Erfordernis: Es gebe ein kommunales Flächenmanagement, nach dem mit Flächen nachhaltig umgegangen werden müsse. Es komme zum Verdrängungswettbewerb: „mit einem immer schöneren, größeren Markt", so Sommer. Zum Argument, dass weniger gefahren werde, ist sich der Sprecher sicher, dass es in der Summe nicht funktionieren werde. „Es bringt keine Verkehrsentlastung."

570 Unterschriften seien gegen die Ansiedlung von Rewe gesammelt worden. Das Einfachste wäre, so Sommer, wenn die Bürgermeisterin einen Antrag zum Stopp einbringt. Möglich wäre auch ein Bürgerbegehren bzw. ein Bürgerentscheid. Aber er hoffe, so Sommer, dass es erst gar nicht so weit kommt.

Manfred Pfauntsch betonte, man sei nicht gegen Rewe, wohl aber gegen den Standort. Man wolle den Charakter von Mögendorf als Ort erhalten. Wenn man diese Tür öffne, werde weiter bebaut werden. Es gelte, die Natur und die Landschaft zu erhalten und den Klimaschutz zu forcieren. Zugleich wolle man die Chance, den Ortskern zu beleben, schaffen, nicht allein in Bruck, sondern auch in Bodenwöhr. Die Banken gehen bereits raus aus dem Ortskern, Metzgereien und Bäckereien tun sich schwer und kämpfen um ihre Existenz, ebenso die Getränkemärkte.

Zur Argumentation der Befürworter, dass man CO² spare, wenn man nicht nach Schwandorf, Neunburg oder Roding fährt, machte er folgende Rechnung auf: 30.000 m³ entstehen beim Bau eines Supermarktes, der Betrieb belaufe sich auf 70.000 m³, also insgesamt 100.000 m³. So könne man 20 Jahre lang in die umliegenden Orte zum Einkaufen fahren. „Ökologisch sind wir somit ganz weit weg."

Es gehe um den Erhalt des Ortskerns und um die interkommunale Entwicklung. „Wenn Bruck den Rewe nicht nimmt, dann nehmen ihn die Bodenwöhrer". Hier sollte man eine Lösung finden. Das Allerschädlichste sei das Bebauen der Fläche für Bruck und Bodenwöhr.

Tobis Janka hat die 570 Unterschriften gesammelt. „95 Prozent der Mögendorfer sind dagegen", sagte er. Cornelia Horner leitet einen Getränkemarkt und meinte, dass vier Getränkemärkte zusperren können, wenn Rewe kommen sollte. Sie sagte, dass die Brucker zusammenhalten müssen. Sie erinnerte daran, dass sie die Vereine, die ein Fest veranstalten und ihnen die Getränke ausgehen, entsprechend versorge und extra aufsperre, weil es das Geld für die Vereine sei. Ein Rewe werde nicht extra aufsperren. Deshalb müssen die Brucker halt auch umgekehrt mal etwas tun. Ein Zuhörer wollte wissen, warum die Bürgermeisterin umdenke? Sommer antwortete, dass er es nicht wisse, aber der Widerstand wohl dazu beitrage.

Christine Spindler sagte, dass es zunehmend Selbstbediener-Kassen geben werde und dass es deshalb wohl nichts werde mit den angekündigten Arbeitsplätzen. „Die Zukunft sieht anders aus." Sie möchte auf dem Land wohnen, mit einem grünen Gürtel, einer guten Luft und einer friedlichen Idylle. Ebenso wie Christoph Bock sieht sie die ohnehin bereits problematische Verkehrssituation, mit einer Verlagerung der LKWs von der B 16 auf die B 85. Auch andere Teilnehmer an der Versammlung wiesen auf diese Problematik hin.

Nachdem es keine weiteren Wortmeldungen gab, beendete Rudolf Sommer die Versammlung, wobei an den Tischen noch weiter diskutiert wurde.